Die Pilgerreisen des Ritters von Arnold Von Harff

Eine musikalische Reise durch das Europa des ausgehenden 15. Jahrhunderts

ALA AUREA
Maria Jonas – Gesang und Drehleier
Susanne Ansorg – Fidel und Glocken

Der Ritter Arnold von Harff, Herr zu Nierhoven, Erbkämmerer in Geldern wurde 1471 auf Schloss Harff bei Kaster nahe Bedburg geboren. 1496 brach er von Köln aus zu einer abenteuerlichen Weltreise auf, die ihn zu den großen Pilgerzielen der Christenheit nach Rom, Jerusalem und Santiago de Compostela führte über Frankreich, Italien, den Balkan, Palästina, Syrien, das Osmanische Reich und iberische Halbinsel. Er legte mehrere tausend Kilometer und war insgesamt vom Aufbruch in Köln am 7. November 1496 bis zur Wiederkehr am 10. Oktober 1498 zwei volle Jahre unterwegs.

Über diese seine „pilgrymmacie“, wie er es selbst nannte, führte er akribisch Tagebuch. Dort nennt sich Arnold selbst einen „Dichter“, denn dies Tagebuch wurde erst nach der Reise verfasst unter Heranziehung eigener und fremder Texte. Damit ging er sogar so weit, daß er dort eine Reise beschreibt, die er gar nicht unternommen hatte. Er behauptet, vom Katharinenkloster auf dem Sinai an der Küste des Roten Meeres entlang nach Mekka gezogen zu sein....und berief sich dabei u.a. auf die Reisebeschreibungen eines Marco Polos.

Auch in anderen Aspekten unterscheidet sich Arnolds Reisetagebuch von den Pilgerberichten seiner Zeitgenossen, da er vieles beschreibt, was andere nicht so interessierte: Städtebau, Festungswerke, Wirtschaftsleben, Brauchtum, Trachten, Flora, Fauna und Kuriosa der Länder, durch die er zog. Er legte ein Lexikon der jeweiligen Sprache des Landes, in der weilte, an, in dem erstmalig die albanische Sprache dokumentiert wurde. Dies war aber durchaus nicht das Anliegen unseres rheinischen Edelmannes. Er wollte auch in jeder neuen Sprache, die ihm begegnete wissen: „Frau, kann ich mit dir schlafen?“

In unserem Programm widmen wir uns der Musik der Stationen seiner Pilgerreise. Am Ende des 15. Jahrhunderts gab es sehr unterschiedliche Musik in Europa: ein- und mehrstimmige, verschiedene Nationalstile hatten sich gebildet, es gab große regionale Unterschiede. Um diese Vielfalt geht es uns in diesem Konzert – eine Vielfalt, die den damaligen Pilger aus dem Rheinland neu war und beeindruckt haben muß und manchmal sicher auch fremd war.

PROGRAMM

KÖLN, Abreise am 7.11.1496
• Hymnus für die Hl. Drei Könige
Kölner Dom- und Erzdiözesanbibliothek, Codex 263, 13. Jh.
• „Wail up ich moes van hynnen“
Liederbuch der Anna von Köln, um 1500

MERAN
• „Ave muetter, küniginne“
Oswald von Wolkenstein, um 1377 – 1445

ROM, Osterwoche 1497
• „Te deum“
Gregorianisch

RHODOS
griechisch-orthodoxe Lithurgie
• „Augustos“
Kassia, 8. Jh.

JERUSALEM, Dezember 1497
• Puer natus natus est nobis
Gregorianisch
• Puer natus in Bethlehem
Liederbuch der Anna von Köln
• Natalis regis glorie
anon.Tropos aus dem Mittelmeerraum

KONSTANTINOPEL & BALKAN
Sephardische Lieder
• Nanni, nanni
• Blanca niña
• Bre Sarica

VENEDIG & MAILAND
istrische und italienische Frottole
• Cemer lice
Marcchetto Cara, c. 1470 – c.1525
• Ostinato vo segiure
B. Tromboncino, um 1470 – c.1535

BURGOS
• Virgo sidus aureum
Codex las Huelgas, 13.-14. Jahrhundert

SANTIAGO DI COMPOSTELA Juli 1498
• Dum pater familias
Codex Calixtinus, 12. Jahrhundert

PARIS
• Helas mon cœur n‘est pas a moy
Chansonnier de Bayeux, 15. Jahrhundert

BRÜSSEL
• Fonteyne moeder
Berliner Hs 190, 15. Jahrhundert

KÖLN Rückkehr am 10.10.1498
• „Wail up ich moes van hynnen“
Liederbuch der Anna von Köln

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Susanne Ansorg (Fidel) und Maria Jonas (Gesang und Drehleier)
Susanne Ansorg (Fidel) und Maria Jonas (Gesang und Drehleier)