Raga Verde

Amelia Cuni : Gesang,Tanpura, Mirliton, Glocken
Maria Jonas : Gesang, Glocken, Drehleier, Shruti-box
Werner Durand : selbstgebaute Blasinstrumente, Live-audiomix

Die musikalische Inszenierung Raga Verde steht für die Begegnung der Gesänge der Hildgard von Bingen mit nordindischen Ragas und einem Live-audiomix. Was sie miteinander verbindet, ist der mystische Gesang, der sowohl in Indien als auch in Europa in jahrhunderte langer Tradition in Tempeln und Kirchen als höchste Form der Gottesverehrung gepflegt worden ist und wird.

Amelia Cuni singt klassische und eigene Kompositionen im Dhrupad Stil, der um das 14. Jahrhundert in den Tempeln und höfischen Gesellschaften Indiens entstand. Hildegard von Bingens Lieder entstanden im 12. Jahrhundert und beziehen sich auf den Gregorianischen Gesang, der in Europa seit dem 5. Jahrhundert praktiziert wird.

Das Zusammenkommen zweier solch inspirierender Traditionen erlaubt einen großen Spielraum, um musikalische Zusammenhänge zu entwickeln, die aus einer unerwarteten und neuartigen Präsentation resultieren. Der Fokus ist nicht die historische Rekonstruktion, vielmehr die Suche nach einer modernen Interpretation von Mystik und Ritual durch Musik.

Werner Durand kreiert für diese Begegnung zweier großer Gesangskulturen und Traditionen eine musikalische Umgebung. Neben seinem Spiel auf selbstgebauten Blainstrumenten erzeugt er in einem Live-Mix mit Loops und Drones aus Gesang und Instrumentalklängen Klangräume, in denen sich die beiden Stimmen in immer neuen Konstellationen treffen, austauschen und neue Verbindungen eingehen, ohne dabei ihre Herkunft zu verleugnen.

Der Titel unseres Projektes „Raga Verde“ (grüner Raga) geht zurück auf eine Symphonia von Hildegard von Bingen: „O virididissima Virga“ im Zusammenspiel mit dem Wort „Raga“ (Sanskrit: das, was deinen Geist färbt). Alle lateinischen Worte mit der Vorsilbe „vir“ kommen in Hildegards Gedankenwelt einer besonderen Bedeutung zu: vir-tus, vir-iditas, vir-ginitas, vir-ga, vir-idissima, usw.. Sie bezeichnet damit nicht allein die männliche Kraft, sondern die Lebenskraft, die sprießende grüne Lebenskraft der Schöpfung. Die indische Musik hat sich über Jahrhunderte entwickelt in Verehrung der Natur und deren Gesetze und Kreisläufe. NadaBrahma – Klang als Träger der Schöpfung- entspringt dem traditionellen indischen Denken. Gesang ist Ausdruck des schöpferischen Prozesses in unserem Körper – und genau diesen Gedanken finden wir auch bei Hildegard von Bingen!


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