Rose van Jhericho

Das Liederbuch der Anna von Köln


ALA AUREA
Dieses Programm ist in verschiedenen Besetzungen möglich:
Gesang: Maria Jonas
Hackbrett: Elisabeth Seitz
Harfe: Johanna Seitz
Flöte: Lucia Mense
Fidel: Susanne Ansorg


PROGRAMM

Liederbuch der Anna von Köln
- Laist uns syngen ind vroelich syn
- Nu hoirt, nu hoirt all wonder
- Mit vrouden quam der engel
Glogauer Liederbuch
- Ich sachz eyns mols (instrumental)
Liederbuch der Anna von Köln
- Puer natus in Bethlehem
Wienhäuser Liederbuch
- Puer natus hodie
Liederbuch der Anna von Köln
- In dulcio jubilo
Buxheimer Orgelbuch
- Ave Regina (instrumental)

Liederbuch der Anna von Köln
- Stetit Jesus
Glogauer Liederbuch
- Christ ist erstanden (instrumental)
Wienhäuser Liederbuch
- Resurrexit Dominus

Rostocker Liederbuch
- Ave Pulcherrima Regina (instrumental)
Liederbuch der Anna von Köln
- Marienleich
Das deutsche Kirchenlied
- Ave Maria, o Mater (instrumental)

Liederbuch der Anna von Köln
- O laist ons vroelich syngen
- Got gruess uch, Rose van Jhericho
- Mater sancta, dulcis Anna
Rostocker Liederbuch
- O Maria rogatrix (instrumental)
Liederbuch der Anna von Köln
- Heir boven
- Wail up ich moess van hynnen



Zu Beginn des 13. Jahrhunderts bildete sich als Teil eines allgemeinen religiösen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aufbruchs eine religiöse Lebensform heraus, die eine Alternative zum Klosterleben war. Frauen aller Stände, Jungfrauen, Ehefrauen wie auch Witwen, wollten allein oder in Gemeinschaft mit anderen gleichgesinnten Frauen ein gottgefälliges Leben in Armut und Keuschheit führen in den so genannten Beginenhöfen. Die beginische Lebensform fiel aus dem Gewohnten heraus, und bereits Zeitgenossen hatten Schwierigkeiten, sie einzuordnen, da sie weder eindeutig religiös, also einem Orden zugehörig, noch eindeutig weltlich erschien. Doch verweisen im mittelalterlichen Verständnis eine vita religiosa immer auf eine monastische Lebensweise: ein religiöses Leben konnte demnach nur in den Grenzen der vorhandenen Ordnung verwirklicht werden, das durch die Klöster, aber auch durch die allgemeine kirchliche Hierarchie repräsentiert wurde.

Doch bereits ab dem 9. Jahrhundert lässt sich eine Entwicklung erkennen, die zu einer immer größeren Ausgrenzung von Frauen beitrug. In den Augen vieler erfuhr das religiöse Leben von Nonnen und Laien Einschränkungen und Abwertungen, die auch ersichtlich wird im Rückgang der Schenkungen und Stiftungen für Frauenklöster. Die Umwandlung von Frauengemeinschaften in Mönchsklöster und Kanonikerstifte ist vielfach belegt. Weitere Konzilentscheidungen schränkten die Möglichkeiten religiöser Frauen ein und mit dem Verbot, im Chor mit den Mönchen oder Priestern zu singen, wurden Nonnen und Kanonissen selbst gemeinsame Rituale eines religiösen Lebens verboten, was zur Auflösung der so genannten Doppelklöster führen sollte. Die Vielzahl der Möglichkeiten eines weiblichen religiösen Lebens erfuhr von offizieller Seite immer striktere Einschränkungen.

Trotz dieser Gegenströmungen der Amtskirche gab es Anfang des 13. Jahrhunderts eine Welle klostersüchtiger Frauen: “Es füllten sich Klöster, es strömten Jungfrauen zusammen, es eilten Witwen herbei und verheiratete Frauen, die mit der Einwilligung ihrer Männer die Ehe in eine geistliche verwandelten... Jungfrauen von edlem Geschlecht wiesen angetragene Ehebündnisse zurück, verließen ihre vornehmen Eltern und alle lockenden Genüsse der Welt... sie vertauschten die Reichtümer der Welt und deren trügerischen Genüsse mit geistlichem Reichtum und dem Genuss der rechten Weisheit.“


Gerade auch die Weigerung vieler Orden, weiterhin Frauen aufzunehmen und mehr Frauenklöster zu gründen für die weiter anwachsende Zahl der Frauen, die sich einem religiösen Leben in einem religiösen Umfeld widmen wollten, führte zu einer Lebensform außerhalb der Klostermauern: den Beginenhöfen.

In den späteren Jahrhunderten des Mittelalters führte der Wunsch vieler Frauen, gemeinschaftlich zu leben, zu arbeiten und zu musizieren, zu einer kulturellen Hochblüte. Wir müssen den Frauen, die im 14. und 15. Jahrhundert in ihren Gemeinschaften ihre musikalischen Künste pflegten, dafür dankbar sein, dass sie sich gedrängt fühlten, ihre Melodien in Liederbüchern festzuhalten, denn auf diese Weise haben sich viele weit ältere Melodien erhalten, die sonst verloren gegangen wären. Die Bewegung der “devotio moderna“ im 15. Jahrhundert förderte ein Musikempfinden, das den ehrwürdigen Traditionen mystischer Dichtung verbunden war und älteren, dem Mittelalter verbundenen Praktiken den Vorzug gab; so haben sich Beispiele von einstimmigem Choralgesang und organaler Improvisation zusammen mit den Texten erhalten, die ganz aus weiblicher Vorstellungs- und Gefühlswelt entstanden – meist sprechen sie von der Jungfrau Maria und von Christus als dem Bräutigam oder Geliebten der Seele.

Eine der wichtigsten Quelle für Musik dieser Art ist das Liederbuch der Anna von Köln. Sie lebte um 1500 und gehörte wohl einem niederrheinischen Kreis von Beginen an. Das Liederbuch wurde zu ihrem Privatgebrauch im “kämmerlin“ oder im Konvent zusammengestellt; es enthält 82 geistliche Lieder auf Latein und Deutsch, davon 24 mit Melodie. Vielfach handelt es sich um Kontrafakturen: allgemein geläufige Lieder, oft von sehr weltlichem Inhalt, werden unbefangen der religiösen Welt anverwandelt (Liebesklage wird zur Sündenklage, Liebessehnsucht zur Sehnsucht nach dem Himmelsbräutigam); trotz der spirituellen Haltung bleibt der Ausdruck ursprünglich und lebensnah. Volkstümliches Singen und städtische Lyrik wirken zusammen in diesem reichsten Zeugnis, das wir vom Musikleben in einem Beginenhof des Mittelalters besitzen.

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Die CD ist beim Label RAUMKLANG erhältlich
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