Sphärenmusik & Weltenklänge
Maria Jonas – Gesang, Symphonie
Thomas Friedlaender – Zink, Perkussion, Glocken
Vor fast neunhundert Jahren setzte Hildegard von Bingen die mystischen Harmonien ihrer Visionen in Töne um. Zwei europäische Künstler wagen mit Gesang, Zink, Perkussion und Glockenspiel eine Neubegegnung im hier und jetzt. In der Akustik weit hallender Kirchen spüren sie jenem geheimnisvollen Räumen nach, die Hildegards Lieder bis heute bilden.
Gemeinsam musizieren sie bei aller Strenge die liturgischen Teile mit vielen Auszierungen: Maria Jonas, ihren klaren Sopran selbst auf der Drehleier mit einem Bordun begleitend; Thomas Friedlaender bei nahezu konzertierenden und improvisierten Passagen mit Zurückhaltung, so dass die Fähigkeiten der Sängerin voll zur Wirkung kommen.
Hildegard von Bingen (1098 – 1179) war Ordensfrau, Klostergründerin und "Prophetissima teutonica", deren schmerzhafte mystische Visionen des "lebendigen Lichts" in grandiosen symbolgeladenen Bildern mündeten. Ihr weibliches Selbstbewusstsein wurde von vielen ihrer männlichen Zeitgenossen in der kirchlichen Hierarchie mit heftigen Widerstand zur Kenntnis genommen. Das mag Grund dafür sein, dass sie bis heute nicht seliggesprochen wurde.
P R O G R A M M
Maria Jonas – Gesang, Drehleier
Thomas Friedländer – Zink, Glocken, Rahmentrommel
I. O VIVENS FONS – Oh, lebendiger Quell!
SYMPHONIA: O vivens fons
(Hildegard von Bingen, 1089-1179)
Wie groß ist deine Lieblichkeit, o Quell des Lebens! Freue dich daher, Tochter Sion, denn Gott hat dir viele zurückgeschenkt, die dir die Schlange rauben wollte. Sie strahlen nun in hellerem Licht, als sie es damals verdient hätten.
• ANTIPHONA: O virtus sapientie
(Hildegard von Bingen)
Dies ist eine kurze Antiphon für die Tugend der Sapientia oder Weisheit, die über alles gelobt wird im Buch der Sprüche. Die Antiphon bringt ein Bild der wunderbaren Reigenbewegung des Singens der Seraphim hervor, indem sie Bilder göttlicher Gegenwart und weiblicher Fruchtbarkeit miteinander vermengt.
• Psalm 109: Dixit Dominus
• ANTIPHONA: O eterne deus
(Hildegard von Bingen)
O ewiger Gott, neige dich uns zu, glühe auf in jener Liebe, auf daß wir lebendige Glieder werden, gebildet in gleicher Liebe, aus der du gezeugt deinen Sohn in der ersten Morgenröte noch vor aller Kreatur. Schau an unsere Not, die über uns kommt, und nimm sie hinweg von uns um deines Sohnes willen, und führe uns in die Freude der Seligkeit .
• Psalm 112 Laudate pueri
• ANTIPHONA DE SANCTA MARIA: O splendidissima gemma
(Hildegard von Bingen)
Als einer der schönsten Belege für Hildegards Verehrung der hl.Maria als Verkörperung des weiblichen Geistes entfaltet sich dieses Stück innig, feierlich und schwärmerisch. Mit dem Wort materia, das ethymologisch auf das Wort mater zurückgeht, bezeichnet Hildegard meistens etwas Weibliches im Sinne des Gebärens.
• Psalm 147: Lauda, Jerusalem
• RESPONSORIUM: O vis eternitatis
(Hildegard von Bingen)
O Urkraft der Ewigkeit! Geordnet hast Du das All in Deinem Herzen. Durch dein Wort sind alle Dinge der Welt erschaffen, so wie Du sie gewollt. Und dies dein Wort ward Leib, in jener Gestalt, wie sie uns erwuchs aus Adam. Und also ward auch unsere leibliche Hülle befreit von gewaltigem Leid. O wie groß ist unsres Heilands Güte! Er hat alles erlöst, da Er Mensch ward. als aus Gott hervorging ohne die Fessel der Schuld.
• SEQUENTIA: O virga ac diadema
(Hildegard von Bingen)
Diese Sequenz zeigt Hildegards unkonventionelle Verwendung von Formen, da sie nur selten an die klassische Sequenz ihrer Zeit erinnert. Es gibt kein festes Versmaß, und die Zusammensetzung der Verse hängt lediglich von der Vertiefung in ihre symbolischen Bilder ab. Diese Sequenz weist auf die hohe Bedeutung hin, die Hildegard dem Wunder der jungfräulichen Geburt zumaß: in dem Maße, in dem Maria als Gefäß für die Geburt Gottes erwählt worden war, erlöste sie ihr Geschlecht aus den Sünden Evas und diente als universelles Symbol geistlicher Empfängnis.
II. KARITAS – Liebe umfaßt alles!
• ANTIPHONA: Karitas habundat in omnia
(Hildegard von Bingen)
Liebe überflutet das All, von der Tiefe bis hoch zu den Sternen, sie ist liebend zugetan allem, da dem König, dem höchsten, sie den Friedenskuß gab.
• INVITATORIUM: Regi iubilantes
(Officium S. Elysabeth Thuringiæ, 13.Jh)
Jauchzend unserm Gott und König durch der hehren Hymnen Pracht jubeln wir – sind fröhlich – feiern nun das Fest Elisabeths!
• ANTIPHONA: Letare Germania
(Officium S. Elysabeth Thuringiæ)
Deutsche Lande, darfst nun dich freuen, glücklich über diesen edlen Spross: Elisabeth, den hehren Sprössling königlichen Stamms und Bluts!
• CANTICUM: Gaudens gaudebo
Ich freue mich des Herrn und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott! Denn angezogen hat er mir die Kleider des Heils, und den Mantel der Gerechtigkeit legt er mir um....Denn wie die Erde ihre Kräuter hervorbringt, und der Same aufgeht im Garten: so lässt Gott der Herr Ruhm und Gerechtigkeit wachsen vor sämtlichen Völkern und Heiden....
• RESPONSORIUM: De paupertatis palea
(Officium S. Elysabeth Thuringiæ)
Aus der Spreu der Armut lässt sie gleichsam Weizen sprießen, unsre edle Frau: Elisabeth! So, durch ihre Wunder und Verdienste, fegt sie aus des Glaubens Tenne alle Ketzerei! Tauben öffnet sie die Ohren, Lahme heißt sie wieder gehen, und die Blinden straucheln nicht.
• HYMNUS: A calore caritatis
(Officium S. Elysabeth Thuringiæ)
Innig warm, voll Liebeswärme, fröhlich, und ganz nah bei ihr, wissen sie nun, alle Armen, gar nicht mehr, was – Blöße heißt. Gott hat sie ein Lob bereitet, Gotteslob aus Säuglingsmund: speist der Armen kleine Kinder, füttert sie – der Amme gleich. Sich die Hände schmutzig machen, ist ihr Wonne, ist ihr Lust! Und so kümmert sie sich, reinen Herzens, um der Kranken Unreinheit!
• ANTIPHONA: Karitas habundat in omnia
(Hildegard von Bingen)
Liebe überflutet das All, von der Tiefe bis hoch zu den Sternen, sie ist liebend zugetan allem, da dem König, dem höchsten, sie den Friedenskuß gab.
Thomas Friedlaender
Mehr Informationen zu Thomas Friedländer finden Sie auf dessen Homepage
Maria Jonas
siehe Biographie
